Die Geschichte des Hauses

Gaststätte „Zum  Schwan“ in  Asperden, Knobbenhof 15

(früher Asperden Nr. 71, 78 + 79)

Studienrat Dr. Schmitz berichtet in der Heimatbeilage „Niederrhein“ der Gocher Zeitung 1929-1939 S. 257 ff. über Gastwirtschaften in Goch in früherer Zeit:

„Die Geschichte der Gastwirtschaften im heutigen Sinne ist verhältnismäßig jung. Im Mittelalter pflegten Reisende, Wanderer und Pilger vor allem in Klöstern und Hospitzen für Unterkunft, Speise und Trank einzukehren. Außerdem klopften Arme und Notleidende an die Tür des Hauses.

In der Stadt Goch bestand schon früh ein Gasthaus, das dem Heiligen Geist geweiht war.

Erstmalig wurde in Goch im Jahre 1595 eine Wirtschaft erwähnt (Pelikan). Aus dem Jahre 1766 wird berichtet, daß damals in Goch drei Gasthöfe bestanden. 1829 war die Anzahl der Wirtschaften in Goch bereits auf 33 gestiegen.“

Für die Bürgermeisterei Asperden werden für 1816-1820  19 Schankwirthschaften (Krüge) angegeben:

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Die Bevölkerungsliste 1830 zeichnet für Asperden Haus-Nr. 71/78 folgende Personen auf:

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Neben dem Tagelöhner und Schenkwirth Peter Görtz (Geurtz) und seiner Ehefrau Anna Maria Schoofs sind sieben Kinder aufgelistet, u.a. der Sohn Reinier (Reiner oder Reinhard), der später als Gastwirt benannt wird.

Wie aus Geburts-Urkunden der Kinder von Peter und Maria Geurtz zu ersehen ist (z.B. Sohn Theodor, geboren 1819), wohnte die Familie Geurtz bereits Anfang des 19. Jahrhunderts in Asperden, Haus-Nr. 71 (heutige Gaststätte „Zum Schwan“). Auch in der Heiratsurkunde (1815) ist als beider Wohnung Asperden (ohne Haus-Nr.) angegeben. Die Geburtsurkunde von Sohn Gerhard aus dem Jahre 1822 weist für die Eltern Peter und Maria Geurtz jeweils den Stand „Schenkwirth“ aus.

Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei den Eheleuten Peter und Maria Geurtz mit größter Wahrscheinlichkeit um das erste Gastwirte-Ehepaar in dieser Gaststätte gehandelt hat.

1831 hatte sich die Anzahl der Schankwirthe für die Bürgermeisterei Asperden bereits auf 28/31 erhöht.

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Als erste namentlich benannte Schenkwirte in Asperden wurden festgestellt: 15.03.1832 Gerhard Kerkhof (Asperberg) und 05.07.1832 Gerhard Koenen/Coenen (Schwan).

Für die Jahre 1840, 1847 und 1851 lag die Zahl der Schenkwirthschaften in der  Bürgermeisterei Asperden bei 24, 23 und 20.

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Davon in Asperden 1840 und 1847 jeweils neun und 1851 acht.

Durch Erlass des Ministeriums des Innern musste zum 01.01.1841 die Anzahl der konzessionierten Schenkwirthschaften zu der vorhandenen Einwohnerzahl gemeldet werden (die Vergabe von Konzessionen sollte eingeschränkt werden).

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Für Asperden + Asperheide lautete das Verhältnis 844/7 und 384/2.

Interessant sind in diesem Zusammenhang Auszüge aus Amtsschreiben einem Konzessionsgesuch für Theodor Görtz/ Geurtz (ältester Sohn von Peter und Anna Maria Geurtz) betreffend:

„Durch das erfolgte Absterben des Theodor Hermsen, heißt Hermens, ist die durch denselben eine geführte Konzession zum Betriebe einer Schankwirtschaft in Haus No-84 erloschen. Die Witwe desselben hat sich mit dem Käther Theodor Geurtz verheiratet und wünscht letzterem die Erlaubnis zur Fortführung der Schankwirtschaft zu erhalten. Der Geurtz ist ein zuverlässiger Mann. Die Löblichkeit desselben war bisher groß an Würdigkeit keinen Mangel. Und was die Lage derselben betrifft, so befindet sich das Land an der von Pfalzdorf durchs Dorf nach der Goch Cranenburger Straße führenden Weg in dem Obertheile des Dorfes wo nur bei der Kirche die Wirtschaft der Wwe. Peter Görtz und für das reisende Publikum an der Landstraße die Wirtschaft des Braam vorhanden sind so daß des Bedürfnisses wegen die Einbehaltung wünschenswerth erscheinen dürfte. Graefenthal 23 IV 54.“

„Was dagegen die von Ihnen eingereichten Anträge des Theod. Bäumler zu Asperheide und des Theod. Geurtz zu Asperden um Erteilung der Concession zur Schenkwirtschaft betrifft, so kann denselben aus dem Grunde nicht referiert werden, weil ein Bedürfnis zur Vermehrung der ohnehin im Verhältnis zur Bevölkerung viel zu großen Anzahl von Schenkwirtschaften in der Bürgermeisterei Asperden nicht obwaltet. Cleve 25. November 1854. Der Königl. Landrath.“

In der Bürgermeisterei Asperden gab es am 18.10.1855 fünfzehn Schenkwirthschaften. Davon standen im Dorf Asperden vier Wirtschaften. 

Eine dieser vier Schenkwirthschaften wurde geführt von Wwe. Peter Geurtz, Haus-Nr. 78.

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Der Gastwirt und Tagelöhner Peter Geurtz, geboren am 01.07.1773 war am 01.10.1837 verstorben. Seine Frau Maria Geurtz, geborene Schoofs führte nach dem Tode von Peter Geurtz die Gaststätte.

Die Bevölkerungsliste 1855 führt für Asperden Nr. 78 die Wirtsfrau Maria Schoofs mit ihren Kindern auf (darunter befindet sich auch der Sohn und spätere Gastwirt Reiner).

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Ein Zeitungsausschnitt aus dem Niederrheinischen Volksblatt vom 01./08.06.1884 benennt die Wirthschaft von Reinhard Geurtz. Reinhard Geurtz hatte nach dem Tode seiner Mutter Maria Geurtz (gestorben am 06.04.1866) die Gaststätte zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth Toonen übernommen.

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Reiner Geurts(z) stellte 1889 schon offizielle Rechnungen aus.

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Bei den Grundstücksverhandlungen zum Neubau der Kirche in Asperden 1890 war auch der Wirth und Kleinhändler Reiner Geurtz involviert, dessen Grundstücke vom Bau der neuen Kirche betroffen waren.

         pastedGraphic_12.png  Auszug aus 100 Jahre Pfarrkirche St. Vincentius Asperden 1993

Das Personenverzeichnis 1892 benennt für Asperden Nr. 79 den Wirth und Kleinhändler Reiner Geurtz (2 Personen).

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Auch in der Eigenthümerliste um 1890 wird der Wirth Reinhard Geurtz als Hauseigentümer für Asperden Nr. 79 benannt.

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Anzeigen aus der Calcarer VZ vom 20.09./27.09.1890 und 29.05.1897 zeigen, dass des Öfteren in der Wohnung des Wirthes Reiner Geurts (Görtz) Verpachtungen durchgeführt wurden.

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1897 werden im Stadtarchiv Goch für Asperden fünf Gast- und Schenkwirthschaften aufgeführt sowie zwei Kolonialwarenhandlungen, darunter Reinhard Geurtz, Haus-Nr. 79.

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Eine Anzeige in der Calcarer VZ vom 07.08.1897 lädt zu einer Versammlung des Bauernvereins Asperden bei R. Geurtz ein.

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Reinhard Geurtz ist am 08.05.1900 verstorben.

Ab wann die Gaststätte vom Schwiegersohn Matthias Janssen geführt wurde, konnte nicht genau ermittelt werden, wahrscheinlich aber bereits nach seiner Heirat mit Johanna Petronella Geurtz und vor dem Tode von Reiner Geurtz. Aus den verfügbaren Zeitungen für diesen Zeitraum wird in der Calcarer VZ vom 22.02.1902 zu einer Versammlung des Rheinischen Bauernvereins bei Math. Janßen eingeladen.

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Am 18.10.1893 (1. Trauung in der neuen St. Vincentius-Kirche Asperden) heiratet der Kaufmann und Gastwirt Peter Matthias Janssen (geboren am 03.02.1862) die Tochter von Reiner Geurtz, Frau Johanna Petronella Geurtz (geboren am 10.01.1868), die schon am 15.04.1896 verstirbt. Auch die zweite Ehe mit Maria Pastoors, geschlossen am 11.08.1897 währte nur bis Weihnachten 1899. Wiederum Witwer ging es über die Jahrhundertwende, bis er am 07.05.1901 in Hendrina Regina Rademaker eine neue Lebensgefährtin fand. Diese Ehe währte 41 Jahre.

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                   Gaststätte Matthias Janssen 1900               Gaststätte Matthias Janssen um 1910

  pastedGraphic_23.png   Familie Matthias Janssen um 1910, Gaststätte + Poststelle

Im Personen-Verzeichnis 1903 ist Matthias Janssen mit einer 5-köpfigen Personenanzahl für Asperden Nr. 79 angegeben.                                                                                                                                   pastedGraphic_24.png  pastedGraphic_25.png

Versammlungen verschiedener Vereine und Verbände wurden in der Gaststätte Matthias Janssen abgehalten  (Kriegerverein Asperden  beim Kameraden M. Janssen, Uedemer VZ vom 06.10.1906), Asperdener Spar- und Darlehnskassen-Verein, Uedemer VZ vom 01.12.1906), Viehversicherungsverein Asperden, Calcarer VZ vom 07.09.1907 und NVZ vom 05.01.1914).

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Anzeigen in der Calcarer und Uedemer VZ vom 19.09.1908 zeigen, dass in der Wirtschaft M. Janßen zur Kirmes ein Zelt aufgestellt war.

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Am 04.10.1908 fand im Lokale des Herrn Matthias Janßen an der Kirche eine überörtliche Versammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland statt.

                                         pastedGraphic_31.png  Uedemer VZ vom 03.10.1908

Familie Matthias Janssen 1920:

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        pastedGraphic_34.png   Schankwirtschaft Matthias Janssen 1932

                                                      

In einem Artikel der Niederrheinischen Volkszeitung vom 17.09.1932 über die Kirmes in Asperden wird berichtet, dass am Montag/Dienstag die Festlichkeiten des Krieger- und des Schützenvereins in den Zelten der Wirte Theodor Willemsen und Hermann Franken stattfinden, aber auch die Lokale von Coenen-Schwan, Matthias und Theodor Janssen an der Kirche mit musikalischen Unterhaltungen aufwarten.

Das Einwohner-Adressbuch Ausgabe 1936 führt für Asperden folgende Wirtschaften auf:

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Matthias Janssen verstarb am 19.06.1942.

                          pastedGraphic_37.png  Gastwirt und Kaufmann Matthias Janssen

Die Witwe Hendrina Regina Janssen führte die Gaststätte bis zu ihrem Tode am 20.03.1953.

Das Einwohner-Adreßbuch 1952 benannte nach dem Krieg folgende Gaststätten in Asperden:

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Nach dem Tode von Hendrina Janssen übernahm die Tochter Petronella Janssen, genannt Nelleke, geboren am 11.03.1902 die Gastwirtschaft.

Am 09.08.1949 heiratete Petronella Janssen den Rendanten der Spar- und Darlehnskasse Asperden, Stephan Bodden. Die Bank zog in die rechte Stube des Gasthauses. Die Gaststätte lief unter dem Namen Janssen-Bodden.

Im Einwohner-Adreßbuch 1963/1969 sind folgende Gaststätten angegeben:

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          1963   1969

Am 20.09.1970 verstarb die allseits beliebte Wirtin Nelleke im Alter von 68 Jahren.

pastedGraphic_41.png      pastedGraphic_42.png Nelleke 1930    pastedGraphic_43.png Nelleke 1955

Nach Nellekes Tod im September 1970 übernahm Heiner Saat, Sohn von Hanneke Janssen, der jüngeren Schwester von Nelleke, die Gaststätte.

Im Branchen-Verzeichnis 1974 ist Heiner Saat als Wirt für Asperden Nr. 79 aufgeführt.

In der Nacht zum 01.05.1974 zerstörte ein Brandunglück das Restaurant und vernichtete die Innenräume.

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Heiner Saat führte die Gaststätte bis 1975.

1976 erwarb Heinrich Coenen die Immobilie und betrieb bis 2005 mit seiner Ehefrau Maria die Gaststätte als Hotel – Restaurant „Zum Schwan“ mit gutbürgerlicher Küche.

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                         Gastwirtschaft „Zum Schwan“ 1986                             Gastwirt Heinrich Coenen

                                                                      

 

Heute steht das Objekt im Eigentum von Jens Barten, der das Haus ab dem 5. Januar 2006 führt, mittlerweile zu einem weithin bekannten Einkehr- und Ausflugsziel mit reichem Angebot avanciert.

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